Magister Johannes Widmann von Eger

Johannes Widmann wurde wahrscheinlich um 1460 oder 1462 im böhmischen Eger geboren. 1480 studierte Widmann in Leipzig und erwarb 1482 sein Baccalaureat.. Im Wintersemester 1485 wurde er zum Magister bestellt. 1486 hielt er in Leipzig eine Algebravorlesung, die als erste Algebravorlesung an einer deutschen Universität in die Geschichte einging. Von dieser Vorlesung existieren noch einige Mitschriften (Kodex Dresden C80 der Sächsischen Landesbibliothek, Kodex Clm 26639 der Bayerischen Staatsbibliothek, Kodex 1470 der Universitätsbibliothek Leipzig und Kodex 5277 der Österreichischen Nationalbibliothek Wien, vergl. /1/)

Nach neusten Erkenntnissen besaß Johannes Widmann nach 1500 wenigstens ein Haus in Annaberg (Häuserlehnbuch der Stadt Annaberg von 1500-1505), danach verliert sich seine Spur. Es konnte auch bisher nichts über seine Tätigkeit in der aufblühenden Bergstadt ermittelt werden.
In Annaberg taucht ab 1534 wieder ein Johannes Widmann (/2/) auf, der auch Bauherr des Rathauses war. Ob dieser mit dem Magister Johannes Widmann verwandt ist, läßt sich nicht sagen.

Die Leistung von Magister Johannes Widmann besteht darin, daß er wesentlich ein seinerzeit abgeschlossenes Lehrgebäude der Algebra mitschuf, das in Fachkreisen handschriftlich verbreite wurde.
Adam Ries kannte offensichtlich diese Aufzeichnungen und bezog sie in seine Arbeiten zur Coß ein. Hinweise finden sich besonders in C80 (Dresden), wo handschriftliche Bemerkungen von Widmann und Ries enthalten sind.
Er veröffentlichte 1489 das erste umfassende Rechenbuch in deutscher Sprache.

Literatur:
/1/ Kaunzner, Wolfgang: Johannes Widmann, Cossist und Verfasser des ersten großen Deutschen Rechenbuches in: Rechenmeister und Cossisten der frühen Neuzeit, S. 37-51, Schriften des Adam-Ries-Bundes, Band 7, Annaberg-Buchholz 1997
/2/ Jenisius, Paulus: Annaberger Chronik, S. 87, Leipziger Verlagsgesellschaft 1994