ADAM RIES (1492-1559) UND ANNABERG
Rechenmeister und Bergbeamter in Sachsen

Ausstellung vom 10.2. - 26.3.2000 im Wissenschaftszentrum Bonn, Ahrstr. 45.
Eröffnung: 09.02.2000, 18 Uhr  
Pressekonferenz: 09.02.2000, 17 Uhr

Ausstellungstafel | Ausstellungsobjekte | Aussteller

Dem zweiten "großen Berggeschrei" im Erzgebirge am Ende des 15. Jahrhunderts verdankt auch Annaberg seine Existenz. Gegründet im Jahre 1496 als "Newe stadt am schreckenbergk" nahm die Stadt begünstigt durch reiche Lagerstätten an Silbererz eine rasche Entwicklung. Im Jahre 1509 zählte Annaberg bereits 8000 Einwohner; 1540 sogar 12000 Einwohner. Auf diese Weise rangierte das Gemeinwesen in der Liste der größten Städte Sachsens nach Freiberg - noch vor Dresden und Leipzig - auf Platz zwei. Annaberg war seinerzeit mit allen Einrichtungen einer damals modernen Stadt versehen: großzügig angelegten Straßen, Gassen und Plätzen, einer zentralen Wasserversorgung, gepflasterten Hauptstraßen, einem städtischen Hospital, Bergamt und Münze, einem Kornhaus, einer Lateinschule und zahlreichen steinernen Gebäuden. Als Krone der Stadt errichtete man zwischen 1499 und 1525 die Pfarrkirche "Sankt Annen", in ihren Ausmaßen eine der größten sächsischen Hallenkirchen der Spätgotik.

Angezogen von Pracht und wirtschaftlicher Kraft siedelte sich im Jahre 1523 auch der Rechenmeister Adam Ries in Annaberg an. Sehr schnell wurde er aufgrund seiner mathematischen Kenntnisse und Fähigkeiten in der sächsischen Bergverwaltung mit anspruchsvollen Aufgaben betraut. Nach 1525 ließ sich Adam Ries endgültig in Annaberg nieder, gründete eine Familie und eröffnete im Haus Johannisgasse (jetzt Nr. 23) seine sehr bald berühmte Rechenschule.

Fast 480 Jahre sind seither vergangen. Vergessen hat man Adam Ries in Deutschland nie. Er hat durch sein engagiertes Wirken für die Allgemeinheit selbst dafür gesorgt und sich aus der Masse seiner heute zumeist vergessenen Rechenmeister-Kollegen herausgehoben. Seine geistige Hinterlassenschaft, die er auf´s Papier oder gar zum Druck zu bringen vermochte, wie seine in zahlreichen Ausgaben erschienen Rechenbücher "Rechnung auff der Linihen vnd Federn..." und "Rechnung nach der lenge...", werden noch immer in vielen renommierten Archiven, Bibliotheken und Museen der Welt verwahrt. Zu diesen Einrichtungen zählt zuvorderst auch das Adam-Ries-Haus in Annaberg-Buchholz, das mit seinem Museum, seiner Rechenschule und seiner Bibliothek dazu einen bedeutenden Beitrag leistet.

Annaberg und das Land Sachsen haben, seit Adam Ries hier lebte und wirkte, ihr Gesicht verändert. Seit 55 Jahren mit der einstigen Nachbarstadt zu Annaberg-Buchholz vereint, bestimmt längst nicht mehr der Bergbau das wirtschaftliche Leben der Stadt und der Region. Das textile Gewerbe, Branchen der Leichtindustrie und vor allem der Tourismus sind an seine Stelle getreten. Der Pöhlberg, an dessen Westhang Annaberg angelegt wurde und dessen Anblick Adam Ries vermutlich an seine fränkische Heimat erinnerte, ziehen, wie das gesamte landschaftlich reizvolle obere Erzgebirge, jährlich zahlreiche Touristen und Besucher an. Aber auch viele Traditionen, die in der Zeit von Adam Ries ihren Ursprung haben, machen das Erzgebirge interessant. "Alles kommt vom Bergwerk her" heißt eine Redewendung hierzulande. Dazu zählen das Klöppeln und Schnitzen ebenso, wie die farbenprächtigen Bergaufzüge und -paraden. Darüber hinaus vermitteln Schaubergwerke und andere montan-technische Anlagen Eindrücke vom Leben und Arbeiten der Menschen im Erzgebirge in der Vergangenheit. Auch, daß das Weihnachtsfest im Erzgebirge seit Generationen mit der besonderen Hinwendung zum Licht gefeiert wird, ist den Bergleuten geschuldet, die fast ihr ganzes Leben im Dunkel der Schächte und Stolln verbrachten, und deshalb eine ganz innige Beziehung zum Glauben und zum Licht besitzen. Beleg dafür schafft auch das "Fest der Dreifaltigkeit", das das gesellige Leben in Annaberg-Buchholz seit dem Jahre 1528 begleitet. Aus dem Unterfangen die Wallfahrer mit Speis, Trank und kurzweiliger Unterhaltung zu versorgen, entstand im Verlaufe der Jahrhunderte eines der größten Volksfeste des Landes, die "KÄT". Auch die Thermal-Quellen, die schon zu Adam Ries‘ Zeiten genutzt wurden, dienen noch immer als Orte der Heilung und Entspannung.

Die Ausstellung ADAM RIES UND ANNABERG soll einen Eindruck vermitteln, wie Tradition im Erzgebirge bewahrt und gepflegt wird. Sie dokumentiert, wie das Werk des großen deutschen Rechenmeisters lebt und Geschichte heute noch erlebbar ist. Es soll ebenfalls aufgezeigt werden, wie aus der historisch durch den Bergbau stark geprägten Landschaft eine für den Tourismus attraktive Region geworden ist, in der noch eine Vielzahl der Nachfahren des großen deutschen Rechenmeisters Adam Ries leben. Diese Region ist eine Reise wert.