Foto: Prof. Friedrich Naumann Chemnitz
Adam-Ries-Bund e.V.; Annaberg-Buchholz

Wissenschaftliche Sensation:

Erstes Rechenbuch von Adam Ries wiederentdeckt.

Am 1. Februar 2006 war die Annaberger Rechenschule mit Journalisten gefüllt. Grund war eine Pressekonferenz, zu der die Berg- und Adam-Ries-Stadt und der Adam-Ries-Bund e.V. geladen hatten. Vorgestellt wurde eine wissenschaftliche Sensation: die dritte Auflage des 1. Rechenbuches von Adam Ries, gedruckt 1527.

Der große deutsche Rechenmeister Adam Ries hat drei Rechenbücher und eine Brotordnung verfasst und in Druck gebracht.
Von seinem ersten Rechenbuch, welches er nach eigenen Angaben 1518 verfasst hat, konnte bisher die erste Auflage (zwischen 1518 und 1525) nicht nachgewiesen werden. Von der zweiten Auflage (1525) existiert ein Exemplar in New York und ein weiteres in Hamburg. Ein Exemplar von der 4. Auflage (1530) befindet sich Wroclaw (Polen).

Die Existenz der 3. Auflage war zwar aus der Literatur bekannt, konnte aber bisher nicht nachgewiesen werden. Man musste eher davon ausgehen, dass das in einem Sammelband eingebundene Werk für immer verloren sei. Hinzu kam, dass auf dem Titel der 4. Auflage steht, zum dritten mal in Druck gegeben. So wurde auch vermutet, dass diese Ausgabe vielleicht nie existiert hat.

Umso erfreulicher ist es, dass dem Adam-Ries-Bund der Ankauf des aus der Hauptbücherei des Königlichen Seminars in Plauen stammenden Sammelwerkes gelang. Seit der Auflösung der Bücherei 1923 galt der Band als verschollen.

Der Sammelband, der nun vom Adam-Ries-Bund e.V. mit Unterstützung der Sächsischen Landesstelle für Museumswesen erworben wurde, besteht aus folgenden Büchern:

Das Sammelwerk wird gegenwärtig untersucht und am 1. und 2.Oktober 2006 im Rahmen der Veranstaltung "Land der Ideen" einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt.
Adam Ries widmet seine erstes Rechenbuch dem Annaberger Amtsverwesers Urban Orsan. Der genaue Titel lautet: Rechnung auff der linihen || gemacht durch Adam Riesen vonn Staffel= || steyn/ in massen man es pflegt tzu lern in allen || rechenschulen gruntlich begriffen anno 1518. || vleysigklich vberlesen vnnd tzum drytten mall || in trugk vorfertiget. || Gedruckt tzu Erffordt durch || Matthes Maler || 1527.
Mit dem Erwerb zählt das Adam-Ries-Museum Annaberg-Buchholz zu den wenigen Orten weltweit, in dem alle drei Rechenbücher des großen deutschen Rechenmeisters vorhanden sind. (Rainer Gebhardt)